De: Erikativ

In Comics werden Geräusche aller Art gern lautmalerisch dargestellt. Diese Soundwoerter oder Onomatopöien breiteten sich bald auch außerhalb von Comics aus.

Nun ist der Übergang zur entsprechenden Beschreibung von Ereignissen oder Tätigkeiten fließend, denn so manches Soundwort existiert auch in einer Verbform, und so manches Verb geht auf Lautmalerei zurück oder erscheint zumindest lautmalerisch (z. B. "knallen", "quietschen", "tropfen", "zischen").

Als Dr. Erika Fuchs in den frühen 50ern anfing, die ersten regulär in Deutschland aufgelegten Disney Comics zu übersetzen, machte sie gerade von solchen lautmalerischen Verben Gebrauch und formte sie in Soundwörter um, indem sie die Infinitivform nahm und die Endung entfernte (also "knall", "quietsch", "tropf", "zisch"). Erst 1998 bekam diese Verbform eine Bezeichnung, und zwar Inflektiv, aber spätestens 2002 entstand in der Newsgroup de.etc.sprache.deutsch zu Ehren der Schöpferin der gebräuchlichere Name "Erikativ".

Was den Erikativ aber auszeichnet, ist, daß er eben nicht nur aus lautmalerischen, sondern aus allen Arten von Verben gebildet wird. Eine weitere Brutstätte neuer Erikative war das MAD-Magazin: Während Don Martin sich als hochkreativ bei der Schöpfung neuer Soundwörter erwies, erschuf Herbert Feuerstein, damals der Red. der deutschen Ausgabe, neue Erikative für die Mad-typisch sprechblasenlastigen Comics, besonders die Film- und Serienverarschen. Viel Platz für Mimik und Gestik war in denen nicht, also gab's statt dessen Erikative im laufenden Sprechblasentext, zumeist in Klammern, beispielsweise "(lechz)" oder "(stöhn)".

Als der Erikativ sich nach außerhalb der Welt der Comics ausbreitete, wurde er endgültig für alle Arten von Geschehnissen verwendet, zunächst in gesprochener Sprache, letztlich auch im Internet, beispielsweise in Foren oder Chats. Von diesem Punkt an entwickelte sich der Erikativ über seine englische Vorlage hinaus, die sich in diesen Fällen von der Umschreibung desselben Sachverhalts im Infinitiv bis auf das fehlende "to" nicht unterscheidet. Neu dabei waren Erikative aus mehreren Wörtern, die komplexere Tätigkeiten beschreiben und auf verschiedene Arten geschrieben werden können:
  • als einzelne Wörter, die häufigste Form, manchmal auch mit Binde- oder Unterstrichen
    ein Beispiel schreib
  • zusammengezogen als ein Wort
    einbeispielschreib
  • zusammengezogen mit Binnenmajuskel, damit die Großschreibung nicht verlorengeht
    einBeispielschreib, EinBeispielSchreib
Für gewöhnlich wird online der geschriebene Erikativ gegenüber dem restlichen Text abgegrenzt. Häufig verwendet werden Sternchen (*in Sternchen setz*), manchmal auch spitze Klammern (<in spitze Klammern setz>). Länger andauernde Erikative werden auch gern in Pseudo-HTML- oder BBCode-Tags gesetzt, die Anfang und Ende kennzeichnen (<brüll>...</brüll> oder [aufgeregt sei]...[/aufgeregt sei]).

Teilweise haben diese weiterentwickelten Erikative wiederum Einzug in andere Medien gefunden, sogar wieder in Comics jüngeren Datums.

Siehe auch Soundwort.

Beispiele für Erikative auflist

    Comics 
  • Das Urbeispiel sind natürlich Disney Comics dank der Tropen-Namenspatin Dr. Erika Fuchs.
  • Werner hat nicht nur ungewöhnliche Soundwoerter, sondern auch ein paar ungewöhnliche Erikative. Ein Schaltvorgang beim Motorrad beispielsweise wird mit "SCHALT" beschrieben, die noch nicht einmal hörbare Betätigung der Kupplung in einem Fall gar mit "KUPPEL".
  • Ralph Ruthe, seines Zeichens selbst MAD-Zeichner (siehe Zeitschriften), bedachte das Thema Erikativ im Ruthe-Report Nr. 2: Ballermania in dem Einseiter, in dem Atze und Otte ihr Hotelzimmer beziehen, mit einem Fingerzeig. Erst fällt die Tür aus den Angeln ("UMKRACH!"), dann entdeckt Atze das ungepflegte Bettzeug ("GAMMEL"), die einzige Glühbirne im Raum brennt durch ("DURCHBRENN!"), und als Atze den Schrank schließt ("ZUKLAPP!"), reicht das aus, um die Wand zum Nachbarzimmer zu zerstören ("EINSTÜRZ!"). Kurz nachdem Otte die Situation treffend beschreibt ("Ich glaube, wir haben wirklich kein bescheuertes Geräusch ausgelassen..."), entdecken die beiden die praktisch unbekleideten Mädels im Nachbarzimmer, verbunden mit einer entsprechenden, nur durch den Erikativ ersichtlichen Reaktion ("AUSBEUL!")

    Musik 

    Realfilm 

    Zeitschriften 
  • Das MAD-Magazin treibt Erikative traditionell noch weiter als die Disney-Comics. Dabei ist die Verwendung mitnichten beschränkt auf die diversen Comicbeiträge, derweil gerade die fürs deutsche Mad produzierten Comics gern und viel Gebrauch von Erikativen jeglicher Couleur auch außerhalb von Sprechblasen machen.

En:Unsound Effect