De: Memetische Mutation

By the way, NEDM.

Wenn man tiefergehende Evolutionsbiologie und Soziologie einmal beiseite lässt, dann lässt sich ein Internet-"Mem" (bzw. meme im englischen) so erklären: Eine einprägsame Popkultur-Referenz, so sehr parodiert und wiederholt, dass die Herkunft und die ursprüngliche Bedeutung unklar wird.

Und wie das Fandom halt so ist, geschieht dies auch mit Charakteren. Gelegentlich basieren solche Meme auf Insiderwitzen in der Produktion oder sich ähnelnden Synchronsprechern. Öfter hingegen verbreitet sich eine Mem-Version eines Charakters im Internet, der (manchmal absichtlich) völlig vom Original abweicht. Eine fröhliche Version eines düsteren oder angsteinflößenden Charakters, eine sexy Version eines Charakters in einer Jekyll Und Hyde Episode oder ein deprimierender Charakter, der schlicht zu einem Pechvogel wird. Dies ist allerdings kein Adaptionsverfall, denn das Fandom tut dies zum Spaß, nicht aus willentlicher Ignoranz. Ein Charakter, der Opfer einer solchen Behandlung wird ist schlicht denkwürdig und unvergesslich, selbst wenn er nur verglichen mit anderen Charakteren in einem Bruchteil der Zeit aufgetaucht ist.

Je nachdem, wie stark die Produktionsfirma mit dem Fandom verwachsen ist, kann man diese neue Version von den Machern in Form eines Omake, Fanservice oder Popularity Power wiederfinden.

Eine andere Eigenart von Memen hängt davon ab, woher sie ursprünglich kommen. Meme verbreiten sich ungeachtet von Inhalt, Geschmack oder Empfindlichkeiten, und die Erschaffer sind möglicherweise die einzigen, die genug über das Quellmaterial wissen, um das Mem ironisch zu benutzen. Manche Meme beziehen sich auf etwas gewöhnliches, sind aber so einprägsam, dass sie mit einer einzigen neuen Sache assoziiert werden. Manchmal kann ein Mem aus dem Internet entkommen und in dem Medium benutzt werden, welches es ursprünglich parodierte — dies ist ein Aufgestiegenes Mem. Manche vergessene oder diskreditierte Meme werden dank Popularity Polynomial gar wiederbelebt.

Das vielleicht berühmteste Mem (welches aufgrund seiner Natur ein Aufgestiegenes Mem wurde) ist Leeroy Jenkins — Leeroy wurde zu einer Frage im amerikanischen Jeopardy und erreichte seinen Status als Aufgestiegenes Mem durch eine Parodie in Guild Wars, zahlreichen Videos als Tribut, eine Erwähnung von Dave Barry und als Karte im World of Warcraft Kartenspiel, Sammelfigur und Achievement in WoW selbst.

Während sich dieser Artikel primär auf Internet-Meme bezieht, so ist das Phänomen doch keineswegs auf das Internet beschränkt. Genauso wie Sein Language eine einmalige Mischung aus Begriffen ist, die dein Freundeskreis benutzt ist ein Mem ein einmaliger Begriff in einer bestimmten Gruppe. Meistens ist diese Gruppe schlicht das Internet.

Wem das zu wenig Information war und über 2 Stunden entbehren kann, dem sei dieser Podcast empfohlen.

Wer über die aktuellen Meme auf dem Laufenden bleiben will, dem sei knowyourmeme.com empfohlen (englisch).
Spezifische Meme

Beispiele:

Hinweis: Beim Hinzufügen von Beispielen bitte nicht einfach das Mem rausbrüllen, sondern uns Noobs auch erklären.

Comics

  • Werner hat reichlich Meme nach sich gezogen.
    • Alles Wortwoertlich zu nehmen, z. B. "auf den Putz hauen" oder "die Kurve kratzen".
    • In dem Sinne auch jemandem Bescheid sagen, indem man tatsächlich "Bescheid" sagt.
    • Oder "was sagen".
      "Sach ma was."
      —->"Was."
    • Flächköpper mäch'n. Die Kunst, am Strand in nur wenige Zentimeter flaches (oder durch den Wellengang vorübergehend komplett fehlendes) Wasser zu springen.
    • "Bölkstoff" für Bier. Wurde letztlich tatsächlich zu einer Biermarke der Gilde-Brauerei.
    • "Tass Kaff" und "Flasch Bier".
    • "Schüssel" für Motorräder im allgemeinen.
      • "Güllepumpe" für die Honda CX 500. Vor Eiskalt! nannte sie niemand so.
    • "Und ich sach noch, X, mach das nich, aber X hört ja nich!"
    • "Normal ja" bzw. "Normal nich."
    • "Besser is das!" Das war sogar erst der Titel der längsten Story in ''Normal ja!" und dann des darauffolgenden Buchs.
    • "Damit sind wir auf 300, bevor du dein' Zündschlüssel umgedreht hast!"
    • "Gas, Wasser, Scheiße." So stellt Eckat jedenfalls Röhrichs Firma in "Lehrjahre 2" vor.
    • Röhrichs ganze Sprechweise, Flensburger Einschlach mit Fistelstimme. Wenn man bedenkt, daß Röhrich die fiktive Version von Andis realem Meister ist...

Musical

  • The Rocky Horror Show:
    • Der "Time Warp".
    • Männer in Strapsen.
    • Okay, das ganze Musical. Vor allem das Mitmachen als Zuschauer. Die Zuschauer machen immer mit, ob das jetzt im Musicaltheater oder im Kino ist.

Realfilme

  • Aelter Als Fernsehen, zumindest in Deutschland: Die Feuerzangenbowle. Im Grunde ist der Film ein einziges Mem, dessen man sich gerade in Studentenkreisen immer wieder gern bedient – in Verbindung mit tatsächlicher Feuerzangenbowle, von der man gern mehr als nur "einen wänzigen Schlock" trinkt.
    • Professor Crey und seine Weinprobe anhand der Erklärungen zur alkoholischen Gärung.
      "Jäder nor einen wänzigen Schlock!"
    • A propos Deutsche Dialektenote , Professor Bömmel.
      "Also, wat issen Dampfmaschin? Da stelle mer uns janz dumm. Und dann sage mer so: En Dampfmaschin, dat is ene jroße schwarze Raum, der hat hinten un vorn e Loch. Dat eine Loch, dat is de Feuerung. Und dat andere Loch, dat krieje mer später."
  • Zurueck In Die Zukunft. Großer Gott, Zurueck In Die Zukunft.
    • Doc: "Großer Gott!!!"
    • Marty: "Niemand ... nennt mich ... eine feige Sau!!"
  • Wayne's World:
    • "Schwing!!!" und die dazugehörige Unterkörper-nach-vorne-Bewegung.
    • Beim Autofahren "Bohemian Rhapsody" singen. Und headbangen.
    • "X wird mal mir gehören. Oh ja. X wird mal mir gehören." Geäußert in der Art von Wayne, als er die weiße '64er Strat bzw. Cassandra anhimmelte.
    • Gern benutzte man seinerzeit die verspätete Verneinung. NICHT!
  • Louis de Funès.

Realserien

  • "'n Hund im Büro!?!" nach einem Ausraster von Stromberg.
  • Die Wochenshow:
    • Der Erklärbär hat die deutsche Sprache erweitert und hat nun auch eine Trope benannt.
    • "Hallo liebe Liebenden", geäußert von Bastian Pastewka alias Brisko Schneider in "Sex TV".
    • "Komm ich gezz im Fernsehn?", ausgerufen von Ingolf Lueck alias Frührentner Herbert Görgens.
  • Stefan Raab hat dafür gesorgt, dass manche erst zu Memen wurden. "Maschendrahtzaun", die "Ö la palöma"-Boys, "Ho mir ma ne Flasche Bier", "Wadde hadde dudde da"... zählt eigentlich als Erzwungenes Memnote .
  • RTL Samstag Nacht:
    • Der "Karl Ranseier ist tot"-Running Gag wurde derart absichtlich überstrapaziert, daß er zum Mem mutiert ist und Karl Ranseier etliche weitere Identitäten angedichtet wurden.
      "Karl Ranseier ist tot. Der wohl erfolgloseste Troper aller Zeiten starb, als der Bus, mit dem er fuhr, in ein Pot Hole stürzte und explodierte..."
    • Und natürlich "Kentucky Schreit Ficken" mit Sprüchen wie "bächtig möse, aber bächtig möse" und "gefickt eingeschädelt".
  • Eines der Meme der 70er Jahre überhaupt kommt von Disco mit Ilja Richter.
    "Licht aus! Womm! Spot an! Jaaaa!"

Theater

Werbung

  • "So muss ein Glas aussehen, dann klappt's auch mit dem Nachbarn!"
  • Clausthaler bescherte uns "Nicht immer. Aber immer öfter!"
    • Im Prinzip schon der deutsche Vorgänger der Dos-Equis-Werbung mit dem Most Interesting Man in the World.
  • "Mein Haus, mein Auto, mein Boot!"
  • Der Wackel-Elvis. Und für welches Auto war die Werbung eigentlich? Egal.
  • Dank Perwoll wird manchmal heute noch die Frage "Ist der neu?" beantwortet mit "Nee, der ist mit Perwoll gewaschen!"
  • Für die inzwischen in die ewigen Jagdgründe eingegangene Baumarktkette Praktiker sprach Manfred Lehmann alle paar Wochen im Radio:
    "20% auf alles außer Tiernahrung. 20% auf alles!"
    • Kombiniert man das mit einem anderen Mem, kommen dabei Sachen raus wie:
      Chuck Norris kriegt bei Praktiker 20% auf Tiernahrung.
  • Fisherman's Friend.
    • Wenn jemand fragt, wie die denn schmecken, bekommt er aus dem Off einen Eimer Wasser über den Kopf gegossen.
      "Nie fragen. Kaufen."
    • Und dann gab's noch "Sind sie zu/ist es zu X, bist du zu Y" aus demselben Hause.
      "Fisherman's Friend. Sind sie zu stark, bist du zu schwach."
  • Aelter Als Das NESnote  und dieselbe Preisklasse wie Perwoll: Palmolive.
    Tilly: "Sie baden gerade Ihre Hände drin."
    Kundin: *nimmt ihre Hand aus der schleimigen grünen Masse* "In Geschirrspülmittel?!"
    Tilly: *drückt die Hand der Kundin wieder rein* "In Palmolive!"
  • Ähnlich alt und von Milka aufgebracht: "X, die Y Versuchung, seit es Z gibt".
    "Milka, die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt."

Westliche Animation

Im Wahren Leben

  • 2009 hatte Angela Merkel einen Wahlkampfauftritt in Hamburg. Diesen suchte ein Flashmob heim, der ihre Worte begleiten sollte mit "Yeeaah"-Rufen, die vorher mit "Und alle so" angesagt wurden. "Und alle so: Yeeaah" ist eines der langlebigsten rein deutschsprachigen Meme bisher.
  • Die besten Mem-Produzenten in der deutschsprachigen Realität sind unsere wenig internetaffinen Politiker.
    • Nachdem der der CDU angehörende Leiter der Enquête-Kommission Internet Axel E. Fischer im November 2010 ein Vermummungsverbot im Internet forderte, reagierte die Netzgemeinschaft innerhalb kürzester Zeit mit der memetischen Mutation seiner Aussage. Unter der Rubrik "Axel E. Fischer (CDU) fordert" entstanden binnen weniger Stunden Stunden etliche abstruse Forderungen in derselben Form.
    • Hans-Peter Uhl, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, äußerte zum Anschlag in Oslo im Juli 2011: "In Wahrheit wurde diese Tat im Internet geboren." Die kreativen Köpfe des Netzes fanden sehr schnell sehr viele weitere Dinge, die #iminternetgeboren sind. Schon war ein weiteres Mem #iminternetgeboren, das aber nur sehr kurzlebig war.
  • Und wieder die Union: Im Landeswahlkampf 2011 in Mecklenburg-Vorpommern setzte die CDU den Slogan "C wie Zukunft" ein. Statt Stimmen brachte es ihr ein neues Mem ein.
    • Nicht zu vergessen, dass Internet ist für unsere Bundeskanzlerin halt noch #Neuland.
  • Dafür kann aber die Politik nichts: die legendären "gestammelten Werke" des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten und Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber.
  • Giovanni Trapattoni, damals Trainer vom FC Bayern München. "Spieler schwach wie Flasche leer", "Struuunz! Was erlaube Strunz?" oder "Ich habe fertig" wurden damals Kult.
    • So manches Mal, wenn ein Fußballernote  in Deutschland den Mund aufmacht, wird ein Mem draus.
      Jupp Heynckes, damals ebenfalls Trainer bei Bayern München: "Weder Fich noch Fleich."